Syphilinie
Die Syphilinie oder der grosse Imitator
Theorie zu den chronischen Krankheiten Teil 3
Eine kurze Beschreibung der Krankheit:
Die Syphilis gehört zu den sexuell übertragbaren Krankheiten . Sie wird durch das Bakterium Treponema pallidum übertragen, das in der Regel durch Geschlechtsverkehr (Bluttransfusion oder Kontakt mit infektiösem Material) übertragen wird. Daneben kann es auch in der Schwangerschaft zur Infektion des Fötus kommen, was zur angeborenen Syphilis (=Lues connata) führt. Je nach Schwergrad der Infektion kann es im 7. oder 8. Monat zu einer Totgeburt kommen. Liegt die Infektion der Mutter länger zurück, kann das infizierte Kind Symptome des zweiten Stadiums, wie Hepatitis, Anämie oder Lungenentzündung aufzeigen. Das Kind kann nach der Geburt zunächst beschwerdefrei sein, und erst nach Jahren oder Jahrzehnten erste Symptome entwickeln.
Stadium I:
Harte Knötchen an der Eintrittspforte der Bakterien sind das erste Symptom:
Nach zwei bis drei Wochen entsteht ein meist schmerzloses Knötchen oder Geschwür an der Eintrittspforte der Bakterien. Die Eintrittspforte befindet sich meistens im Genitalbereich, Mund oder Anus. Das Knötchen fühlt sich hart an und man spricht daher auch vom harten Schanker (Ulcus durum). Das Ulcus ist meist schmerzlos ca. 2cm gross mit hartem Rand und heilt innerhalb 3-7 Wochen unter Narbenbildung aus. Es kann auch zu einseitigen, regionalen Lymphknotenschwellungen kommen. Das Geschwür heilt meistens unbehandelt nach Tagen bis Wochen ab.
Stadium II:
Ca. 9 Wochen nach der Infektion fühlt sich der Infizierte krank und hat grippenähnliche, Symptome: Fieber, Gelenkschmerzen. Ein Ausschlag am Körper kann sich bilden. Viele Lymphknoten sind vergrössert und lassen sich tasten. Gleichzeitig treten Papeln im Mund und am Genital-Analbereich auf. Nach ca. vier Monaten gehen die Ausschläge zurück und können erneut auftreten. Manchmal lassen sie depigmentierte Haustellen vor allem am Nacken zurück, das sog. Halsband der Venus. Deswegen trugen infizierte Prostituierte als “Schmuck” oft ein Samthalsband um die Zeichen der Krankheit zu verstecken. Manchmal kommt es zum Haarausfall.
Nach Abklingen des zweiten Stadiums kann die Krankheit in eine Latenzphase übergehen. Diese Phase kann mehrere Jahre, Jahrzehnte oder lebenslang andauern. Empfindliche Antikörpertestes haben gezeigt, dass unbehandelte Lues so gut wie nie spontan abheilt, sondern entweder im infizierten Individuum zeitlebens persistiert oder in die Tertiär- oder Spätlues übergeht.
Stadium III bis IV
5 bis 50 Jahre post infectionem entwickeln 1/3 der unbehandelten Patienten eine Lues III.
Man unterscheidet verschiedene Manifestationsformen:
Gumma:
Auftreten geschwürartiger Wucherungen bzw. Läsionen, die Gummen genannt werden. Neigung zu nekrotischem Zerfall der befallenen Gewebe. Die Fehldeutung als Tumor Tbc u.a. ist häufig.
Hiervon sind vor allem Haut, Zunge, Knochen, Muskeln, Herz, Respirationstrakt, Magen, Darm Rektum, Leber, Hirn u.a.: Measaortitis syphilitica mit Aortenaneurysma und oder Aortenklappeninsuffizienz. Die Gummen der Haut sind schmerzlos. Oft kommt es zur Gewebszerstörung wie z. Bsp.: Gummen am harten und weichen Gaumen, die zur Perforation führen können, Herde am Nasenseptum bis zur zur Sattelnasebildung und Zerfall. Gummen können auch einer Lepra lepromatosa (eher weiche Konsistenz) und einer tuberkuloiden Lepra (ohne Zerfall) ähneln. Daher ist die serologische Untersuchung unabdingbar.
Symptomatische Neurosyphilis:
Neven-Häute-Knoten-und Stränge sind betroffen. Die Neurosyphilis führt zur Veränderung der Reflexen, ausgedehnte Paresen mit mnestischen, intellektuellen und sensorischen Destruktionen. Die Tabes dorsalis (=Rückenmarksschwindsucht = Entmarkung), als Letztes Stadium einer syphilitischen Erkrankung zeigt Symptome wie: Ataxis, Parästhesien, Inkontinenz, Impotenz, Temperatur-, Schmerz-, Tiefensensibilitätsverluste usw.
Die Therapie erfolgt meist mit Penicillin.
Die Syphilis oder der grosser IMITATOR:
Diese Bezeichnung weist auf die Schwierigkeiten der Differentialdiagnose hin. Im Primärstadium sind Hautläsionen im Genitalbereich ähnlich andere venerische Erkrankungen wie Herpes genitalis, AIDS, der weiche Schanker (venerische Krankheiten mit gestanzten schmerzhaften Geschwüren mit aber weichem Rand) und vor allem Lymphogranuloma inguinale (Geschlechtskrankheit mit Primärläsionen im Genitalbereich und Lymphadenopathie). Daher war die Verwechslung mit anderer Krankheiten im letzten Jahrtausend auch möglich und die Ursprung diese Krankheit zu verfolgen äusserst schwierig. Neuerdings haben Paläopathologen aus Göttingen eine neue Form der Syphilis 2003 auf ihrem internationalen Workshop vorgestellt: die jetzt entdeckte Form zeigt eine milde knöcherne Verlaufsform der örtlich begrenzte Syphilis, die mikroskopisch charakteristische Merkmale der venerischen Syphilis der Neuzeit aufweist. Es besteht die Annahme, dass in dieser paläo-indianischen Population, die etwa 4000 Jahre alt ist möglicherweise eine Erkrankung vorliegt, aus der sich die heutige endemische Syphilis, die venerische Syphilis und eventuell auch die Frambösie entwickelt hat. Frambösie (F.:Framboise, Himbeer): chronische nicht venerische ansteckende Infektionskrankheit durch Treponema pertenues (Schmierinfektion)
Die Krankheit Syphilis aus der historische Sicht
Die Syphilis ist die Krankheit, die wahrscheinlich die verschiedensten Benennungen in aller Welt bekam. Noch unbekannt in ihrer Ursache, Verlauf und Behandlung als sie die Welt erblickte wurde sie je nach Vorstellungskraft der Ärzte und der Bevölkerung mit allerlei Namen getauft. Sie wurde je nach Abneigungen, politische Verwicklungen wie folgt genannt:
Einige Ärzte wollten damals der Ursprung der Syphilis immer wieder andere Länder “zuschieben”.
Es sollte die asiatische Lepra oder eine arabische Hautkrankheit: “sahafeti” (ähnlich Frambösie) sein (1), auf flämisch hiess sie: “Les poques”, spanisch: “Las bubas oder buvas”, in Genua: “Lo male de le tavelle”, die Toskaner: ”il malo delle bolle”, deutsch: “grosse Blatter”, in Saint-Domingue: “guagnara, hipos”, der Einfluß der Sternen verdanken die Namen: “Passio turpis saturnina” auch “Patursu oder maladie saturnine”, der Name “ Pelade” bezog sich auf den Haarverlust. Dr. Bethencourt fing mit der Bezeichnung “venerische Krankheit” an und Fernel benutzte der lateinischen Name: “Lues = Seuche venera = venerisch” . Im Gedicht von dem Arzt Fracastor (1530) wurde der Schäfer “Syphilis” die Inkarnation der neue Krankheit. “...Syphilis (der Schäfer) wird besucht vom “garstigen Geschwüren, Schmerzen reißt es in den Gliedern, seine Nächte flieht der Schlaf ...Und nach ihm benennt die Menscheit, heute noch die gleiche Seuche, es empfängt von ihm die Krankheit, nun den Namen “Syphilis”.
Als die Epidemie 1492-1493 voll im Gange war wurde je nach politische Lage die Krankheit auch als Schimpfwort gegen den momentanen Feind benutzt: Die Italiener nannte sie: “Mal francese, mala de Frantzoe”, die Engländer: “French pox”, die Deutschen: “”Frantzosen oder frantzosischen Pocken”, die Franzosen: “ Le mal de Naples”, die Belgie: “La vérole espagnole- spanische Pocken” (in Hinsicht auf dem Rückkehr der spanische Flotte aus Amerika), die Mauren: “Spanische Krankheit”, die Portugieser: “Mal castillan”, Inder: “Portugiesische Krankheit”, die Türken: “Christliche Krankheit”, die Persanner: “Türkische Krankheit”, die Polen: “Die deutsche Krankheit” und die Russen: “Die polnische Krankheit”.... Um nicht zuletzt die Benennung nach christliche Namen zu erwähnen , wahrscheinlich in der Hoffnung auf eine baldige Genesung wie “Morbus nonus”, “ Morbus Sanctus Nevius”, “ Morbus Sanctus Sement” oder “Morbus Sanctus Evagre”.
Sucht man nach der Ersterscheinung der Krankheit, wird man konfrontiert mit verschiedenen historischen Angaben.
Die heutige Annahme lautet, dass nach der Entdeckung Amerikas durch Columbus (1451 in Genua geboren) im Oktober 1492 die Krankheit sich mit den Seefahrern zuerst in Europa epidemisch verbreitete. Die Untersuchung der Paläopathologen könnte diese auch bestätigen. Es könnte aber auch sein, dass die Erkrankung nur endemische vorlag und die “neue Form” aus Amerika zum Ausbruch anstachelte. Die Erkrankung wurde nämlich in Tunesien schon im 11. Jahrhundert im “Canon medicine” von Avicenne genau beschrieben (2).
Abu Ali al-Hussain ib Abdallah ibn Sina auch Avicenne genannt (980-1037).
Im Buch vom Astruc (3) (S. 346, “Traité des maladies vénériennes”, Trad. dem Louis.) wird daraufhingewiesen, dass die Syphilis schon 2637 J. vor Jesus Christus in medizinischen chinesischen Bücher beschrieden wurde. Sie wurde beschrieben (La médecine chez les chinois, Cap. Dabry) als ulzeröse Krankheit, deren Übertragung durch enge Kontakt erfolgen kann. “Sie befällt den Urogenitaltrakt des Mannes oder der Frau wird sogar im Mund, Hals, Nase, Anus und-oder Rektum beobachtet. Sie erscheint zwischen den 3. und 9. Tag nach dem “Kontakt”. Die Krankheit fängt mit einem kleinen roten Fleck, aufgedunsen in der Mitte, schmerzhaft und juckend zugleich. Kurzer zeit später zeigt sie einen weißen Krater in ihrer Mitte. Diese pustulöse Erscheinung wächst in die Tiefe und Breite, die Ränder werden hart mit einer zackhaften unregelmässigen Kante. Die tertiäre Phase der Krankheit wird klar beschrieben als Ulzeration und u.a.: als Zerstörung der Nahestand”.
In Indien erschien das Buch “Sucrulas A´yarvedas, id est Medicine systems” um das Jahr 400. Das Buch beschreibt die Folgen der Syphilis. Beschrieden werden u.a. die Hautausschläge und die Folgen der Krankheit sowie die Sterilität oder Taubheit als Teil ihrer Komplikationen. Die religiöse Fazette der indische Geschichte zeigt auch im Kult von Lingam, dass Civa nach einem voluptuösen Beischlaf damit bestraft wurde, dass seine Genitalien durch eine Art Gangräne zerstört wurden, die erkrankten Teile heilten jedoch noch ...dank Reue ....”
Hippocrate beschrieb in seinem Buch (Oeuvres, des épidémies, Liv. III, sectIII,§7-Édit. Littré, t.III,S. 85) folgendes:
“ Häufige Anschwellu
gen auf den Geschlechtsteilen, Geschwürbildungen, Tumoren am Inneren und am Äusseren, Schwellungen in den Leisten.. Feuchte, lange und schmerzhafte Ophthalmien, Excroissance an den Augenlidern, die die Sicht von vielen Personen verlieren ließen. Viele hatten Aphten und Ulcerationen im Mundraum (“dies könnte aber auch einen Hinweis auf die Krankheit von Béhcet sein” = eigene Bemerkung). Es waren andere Wunden und die Geschlechtsteile auch der Sitz vieler pilzähnliche Gebilde. Im Sommer erlebt man eine große Anzahl von Anthrax und anderer Zuneigungen, die man septisch nennt, ausgedehnte pustuleuses Ausbrüche bei vielem großen blasigen Ausbrüche.”
Schauen wir Richtung Athena, dort finden wir in der Mythologie folg. Geschichte:
“ Aphrodite wurde vom Bacchus schwanger; gebar in Lampascus Priape. Priape blieb in dieser Stadt und wurde in Exil durch die Einwohner geschickt, weil er die Frauen dort verführt hatte. Die Götter, um sie zu bestrafen fügten ihnen eine ernste Krankheit zu, von der sie nur sich befreien konnten, indem sie Priape zurückriefen.. Dass die Tatsache richtig ist oder nicht, ist es nicht weniger wahr, wie er den Ernst der Geschlechtszuneigungen im Altertum aufstellt und, dass die Tatsachen etwas andere suggerieren als ein einfache Blennorrhagie.”
In Rom wurden die Infektionen der Geschlechtsteilen ausgiebig beschrieben. Es war schon damals sehr problematisch mit Patienten(inen) darüber zu reden und dies erschwerte die Behandlung erheblich. Die tertiäre Phase war auch schon bekannt und der Einsatz vom Merkur soeben.
Die Krankheit wurde in Mexiko berichtet wo die Spuren zur Manahuath führen. Manahuath war schwach und kränklich von einer unheilbare Krankheit befallen. Das Leben erschien ihm sinnlos und seine Freunde forderten ihm dazu als Verbindung zwischen Himmel und Erde zu fungieren und als Sonnengott wiederzugebären. Manahuath warf sich auf dem Scheiterhaufen wo er sofort von den Flammen verspeist wurde. Als Gott wurde er wieder geboren und somit seine Krankheit. Manhuath wird auch als “Buboso” “der Syphilitiker” genannt und das Wort “puz” gleich Eiter ist als Vorwort der tzendale und zotzile Sprache für “pax” die Opfergabe, die insbesondere, die Opferung von Menschen bedeutet.
Die Syphilis im Mittelalter
Im Mittelalter sowohl als auch in der “Vorzeit” ist es schwer Dokumente zu finden, die zuverlässig über die Syphilis berichten. Häufig beinhalten Krankheiten sowie Lepra gar Elephantiasis Symptome , die eher an die Syphilis erinnern. Im ca. lX. Jahrhundert hat Daremberg Beschreibungen von Symptome an den Genitalien entdeckt, die keine Zweifeln lassen, dass es sich um die Syphilis handelt (Annales des maladies de la peau et de la Syphilis, Paris 1851-1852). Ärzte aus arabische Länder, England, Frankreich und Italien beschreiben auch schon sehr genau die sogenanntem “Chankren”. Guillaume de Salicet beschreibt genau in seinem Buch “Chirurgia”, I. Kap. 1270 die Auswüchse als eine teils weiche und teils harte Erscheinung.
Eine der Beste Symptombeschreibung erfolgte durch Valescus de Tarente am Ende des XIV. Jahrhundert. (Die Lateinische Übersetzung der Beschreibung kommt noch...)
Pierre Martyr schrieb in einem Brief an seinem kranken Freund Aris Barbosa, 1488: “ Du schreibst mir, dass Du an einer Krankheit leidet, die u.a. von dem spanischen Volk Bubas genannt wird, vom italienischen Volk Galico, von andere Mediziner Elephantiasis. Du beschreibst Dein Unglück mit dem stinkendem Atem, Ulzerbildungen und Gelenkbeschwerden. Lieber Arias, Du tust mir leid...”. Anscheinend wusste man schon Zeit der Antiquität über die Erscheinungen der Syphilis jedoch nichts von der Syphilis selbst. Die Verbindung zwischen Organzerstörung und “Erweichung” des Hirns waren bekannt aber ohne Verbindung zur Syphilis.
Die syphilitische Epidemie Ende XV. Jahrhundert
Die Lepra und Elephantiasis verschwinden allmählich.
1492 Erwähnung der Syphilis von Fulgosi in Italien (Milan) und Frankreich
1492 (Oktober) Rückkehr der Seefahrern nach Europa mit Weiterverbreitung der Syphilis und der Meinung, dass die Syphilis aus Amerika kommt
1493 Erwähnung der Krankheit in Niedersachsen, Mecklenburg
1493 (Anfang des Sommers) Manifestation der Syphilis in der Auvergne, Frankreich und Lombardai
1494 Manifestation der Syphilis in Rom
1494 Manifestation der Syphilis in Westphalie, Franken, Bayern und baltisches Meer
1495 Manifestation der Syphilis in der Schweiz
1496 Das Parlament in Frankreich erlässt eine hygienische Massnahmen gegen der Syphilis: “La grosse vérole”
Die Epidemie erreicht Mazedonien, Griechenland.
Ende des XVI. Jahrhundert Ende der syphilitische Epidemie.
Die Beschreibung von Fracastor ( De morbis contagiosis, Venetia, 1546) sammelt alle Beobachtungen des letzten Jahrhunderts.
Die Krankheit verändert sich : “Man beobachtet jetzt weniger Pusteln als vor 20 Jahren dafür mehr Gummen. Wenn Pusteln erscheinen, dann sind sie trockenere Art und die Schmerzen sind stärker. Zeit ca. 6 Jahren hat die Krankheit sich wieder weiterentwickelt. Die Pusteln sind seltener geworden, die Schmerzen leichter aber sehr viel Gummen sind vorhanden. Die Zähnen werden lockerer, die Haare (am Kopf, an den Augenbrauen) fallen aus . Zuerst dachte man es sei vom Merkur, aber doch erschien die Krankheit selbst der Verursacher zu sein”. Ulrich de Hutten bemerkte, dass die Syphilis ihrer starken Auswirkungen “nur” über 7 Jahren behielt.
Fazit:
Aufgrund von Beschreibungen um das X. Jahrhundert und früher, existierte schon eine bestimmte Form der Syphilis. Die Verwechslungen mit der Lepra sind nicht zu übersehen und erschweren die historische Zuordnung des Ursprunges der Syphilis.
Die Krankheit zeigte verehrenden Wirkungen vom 1493 bis ca. 1497. Sie zeigte jedoch im Lauf der Jahren eine abnehmende Infektionskraft. Die spanische Seefahrer aus Amerika brachten vielleicht eine veränderte Form mit sich, die gemischt mit der “europäische” Form diese gewaltige Epidemie auslöste. Die Abnahme der Stärke diese Krankheit könnte dies bestätigen.
Geographische Verteilung der Syphilis
- Europa
Nord von Europa - baltisches Meer - Schwedenküste - Juttland - Schleswig-Holstein - Teilweise Schotland - Ost-Prüssland - Island - Feroeinsel.
Die Krankheit konnte sich dort kaum fixieren. In Island wird interessanterweise berichtet über einzelne Fälle die über “Fremden” sich anstecken liessen, jedoch schritt die Krankheit nicht weiter voran. Dies, obwohl Island regelmässig Geschäfte mit Ausländer wie Dänen, französische oder holländische Fischer hält. Zu Beispiel in Reykjavik verbreitet sich die Krankheit 1756 über die Weber und Wollhändler (bei einer Durchschnittstemperatur von +4°C), 1763 wurde die Syphilis seltener und verschwand 1774. Dagegen ist die Lepra eine endemische Krankheit in Island. Auf die Insel Feroe ist die Syphilis bis 1844 unbekannt, dann innerhalb von 2 Jahren ca. 20 Fälle.
Im Schweden sowie Norvegien (insbes. Christiania) bei +5,4° gibt ein hoher Anzahl an Osteitiden im Bereich Schädel und Naso-Palatinum mit einem langsamen Verlauf.
Russland (0°-12°):
Hoher Verbreitung insbes. wegen des Verkehrs zwischen Soldaten und Prostituierten. Die Soldaten kehrten ein paar Jahre später aus den Städten auf dem Land zurück und stecken somit ihren Bräutigam ein. Offiziel wird nur ein infizierter Soldat für 34 “gesunden” angegeben.
In England insbesondere auf den Falklandinseln sind ca. 50 000 Frauen als Prostituierten tätig und die Ansteckung erfolgte innerhalb von einem Jahr bei ca. 1 652 500 Personen (Frauen wie Männer). Auf 1000 Soldaten werden 306 Syphilitiker 1860 registriert, in 1862-1863, 318 und in 1864 290 erkrankten. Es wird dann unterschieden zwischen primitive Syphilis und konstitutionelle Syphilis: 1855 starben 947 Personen davon 579 Kinder unter 1 Jahr. 1857 zählt sie bereits in der “Mortalitätsstatistik” von London.
- Centraleuropa
Frankreich bleibt nicht verschont. Insbesondere in den Häfen oder wo Soldaten sich gehäuft aufhalten ist die Krankheit am Stärksten: auf 1000 Männer verzeichnet Brest 364 Kranke, Verdun 354, Strasbourg 264 Besancon 250 , Paris 262. Die Französische Armee gilt förmlich als “Syphilometer”. Hierzu ein Paar Zahlen:
1866: 110: 1000 Männer, in 1869 sind es 103: 1000, zwischen 1862-1969 sind es 56:1000..
In Belgien befällt die Krankheit von 1858 bis 1860 ca. 90:1000/Soldaten/Jahr.
In Holland 105:1000 Soldaten/Jahr
In der Schweiz wurden 941 Kranken im Krankenhaus von Zürich im Jahr 1853 behandelt.
Im Prussland sind es 1867 54:1000 Soldaten. Die Abfallenden Zahlen zeigen, dass die hygienische und diätischen Massnahmen angreifen.
- Süden
In Spanien und Portugal erlebt man eine milde Form der Syphilis. In Spanien werden hydro-thermale-Schwefelkuren angeordnet 11527 Soldaten wurden 1850 behandelt (79 davon starben). In Portugal zählt man 96 infizierte Soldaten zu 1000 gesunde Soldaten.
In Italien ist die Krankheit von Sizilien bis zum Norden je nach Ortschaften mehr oder weniger ausgeprägt.
Die Länderverteilungen variieren vom Tirol bis zur Türkei über Albanien, Serbien und Moldavien.
- Asien
In Iran und Palestina herrscht eine eher mildere Form der Syphilis wogegen in Indien und Saigon die Krankheit der bösere Verlauf zeigt. Der Tibet und China bleiben nicht verschont. Die chinesiche Form der Syphilis setzt den Ausländer stärker zu als die “heimische” Form, wogegen die Chinesen einen eher milderen Verlauf erleben.
In Japan ist der Verlauf der Syphilis auch eher mild mit wenig tertiärem Verlauf. Der Knochenbefall wird eher eher in Hacodadi und Nagazaki beobachtet.
- Oceanien
Die Verteilung auf den verschieden Insel scheint eher in Häfen sich zu verlagern. In Australien, wo die Syphilis 1821 noch sehr selten war (6 Fälle in 10 Jahren) war sie 1834 in ganz Australien zu beobachten.
- Afrika
In arabische Länder ist der Verlauf bösartig mit viele Pusteln, Osteitiden, Exostosen, Karies, Knochenzerstörung. Die Kinder weisen böse Formen wie die Epidemie vom XV. Jahrhundert in Europa. Die Kranken werden mit Sarsaparilla als Tee oder Umschläge und strenge Diät behandelt.
In Ägypten zeigt sie eine milde Verlaufsform. 1844-1861 erkrankte in Alexandria 589 Menschen an der Syphilis mit 6 Todesfällen.
In Numebien, Congo, Biafra und Benin wird die Syphilis mit einem hohen Anzahl an Todesfällen bei junge Männer. In Numebia wird Erde “La Tereba” oral gegeben um den Verlauf zu mildern.
Die Insel Maurizius kennt eine schwere Verlaufsform nach 1839, mit 210 mit Syphilis von 1329 Kranken.
Südafricaner erleben je nach Anteil an “weissen” Blut die Syphilis.
- Amerika
Die Frage ist noch nicht geklärt wer wem ansteckte. Vielleicht trugen schon die Seefahrer vom Kolumbus die Seuche mit sich et verbreitete sie dort oder umgekehrt. Dadurch, dass die Krankheit sich verstecken kann ist es durchaus möglich, dass einige Seefahrer die Seuche an die indianische Bevölkerung weitergaben. Später im föderalistischer Staat zeigte sich die Krankheit in Proportion mit der Anzahl an Prostituierten. Die föderalistische Armee zeigt genau so viele Erkrankungen wie die hiesigen im 19. Jahrhundert.
In Mexiko zeigt die Krankheit vielen Ulzerationen auf die Haut und im Larynx. In Kolumbien und Brasilien sind die Verlaufsformen sehr bösartig. In Rio de Janeiro zählt man zwischen 1861 und 1866 7082 an Syphilis erkrankten Personen davon 6211 Männer 771 Frauen.
Fazit: Die Krankheit bleibt in Island und Centralafrica im Hintergrund wogegen sie besonders nah an den Küsten sich epidemisch verbreiten kann und extreme böse Verlaufsformen zeigen kann.
Die Therapie der Syphilis bis 1873
Diät, Aderlass Laxantien, Blutegel, Bäder, Umschläge, Schwitzkuren, Viperatee waren die erste Versuche das Leiden um 1500 zu lindern. In arabische Länder wussten die Ärzte von der Verwendung von Merkur u.a. gegen Läuse, Krätze oder Impetigo. Nach der Regel vom Celse ging man davon aus, dass eine unbekannte Krankheit nach der Schema einer anderen bekannten ähnlichen Krankheit zu behandeln sei. Die Idee diese Krankheit sei nur über eine ordentliche Speichelproduktion zu vernichten brachte mit sich erheblichen Folgen für die Patienten. Man benutzte Merkur zuerst in einer schwacher Tinktur aber dann bei hartknackigen Fällen in einer solchen hohen Dosierung, dass wenn der Patient an der Medizin nicht starb zumindest an ihrer Folge noch schwerer als vorher erkrankte. Viele Patienten entwickelten u.a. Durchfall, Ulzeren im Mund bis zum Zähneausfall und starke erhöhte Speichelproduktion, die nutzlos waren. Merkur wurde hauptsächlich in Umschläge, Waschungen oder Dampfkuren verabreicht. 1535 wurde Merkur in verschiedene Mischungen oral verabreicht. Die Tatsache, dass die Syphilis nicht durch eine Hypersalivation zu heilen sein reifte erst 1718.
Aufgrund der Nebenwirkungen suchten die Ärzte damals nach einem “sanfteren Mittel”Um 1517 versuchten sich die Ärzte mit dem Guajakholzbaum (auch Franzosenbaum oder Heiligenholz genannt). Sie verabreichenden Erkrankten Guajak als Auszug oder Waschungen. Dieses Produkt aus dem tropischen Holz aus Amerika verstärkte die Annahme, dass die Seuche wohl aus Amerika kam. Die Erfolge waren anfangs verblüffend. Strenge Diät-und Hypienemaßnahmen sowie Bettverordnungen trugen zur Besserung der Patienten bei.
Guaiacum officinale = Franzosenholzbaum
Ideal waren die Erfolgen jedoch nicht und Fracastor führte Gold und seine Salze ein. Darauf experimentierten Ärzte mit Silber, Platin und Zin, stellten jedoch fest, dass die Erfolgen nicht in Relation zum Preis der Arznei stand.
Arsen wurde zwar eingesetzt, die Reputation der Arznei als Gift war zu stark, dass “herumprobiert” wurde.
Iod 1834, wurde erfolgreich als Urtinktur eingesetzt.
Eine damalige Rezeptur für Mund-oder Hals-Ulzera:
Die Mundpartie soll mit folgender Tinktur bepinselt werden.
”...Kalium-Iodid 0.60 cg + Iodurtinktur 2g + 140g destilliertes Wasser....”
Kinder wurden im 19. Jahrhundert über die Muttermilch oder Ziege - Eselsmilch behandelt. Der Versuch der Ziege oder Esel Merkur zu geben und dies dem Säuglinge zu verabreichen scheiterte an fehlende chemische Nachweise von Merkur in der Milch der Tieren. Die Kinder wurden mit “schwachen Iod oder Merkur Umschläge behandelt.
Im 19. Jahrhundert wurden es den Ärzte klar, dass mehrere Methoden notwendig sei um das Leiden der Erkrankten zu bessern. Thermalwasser sowie strenge Diäten Merkurverbindungen gekoppelt mit Iodverbindungen sowie Thermalkuren wurden eingesetzt bis das erste Medikament gegen die Syphilis erfunden wurde.
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Paul Ehrlich brachte 1909 “Salvarsan” als Arsenverbindung gegen die Syphilis auf dem Markt.
Seit 1940 bekämpft Penicillin (Erfindung von Sir Alexander Fleming) die Krankheit.
Die gefährliche Geschlechtskrankheit Syphilis schien in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts in Westeuropa ausgestorben zu sein. Doch kürzlich wurden vom Jahrzehnte Besorgnis erregende Zahlen veröffentlicht: 2002 wurden in Deutschland 2275 Fälle von Syphilis registriert, ca. 729 mehr als im Jahr zuvor. In Deutschland gehört Syphilis (Lues = Seuche, Siechtum) zu den meldepflichtigen Krankheiten (ohne Angabe des Namens). Die Angst vor Geschlechtskrankheiten scheint wieder abzunehmen. Ca. 50% der Personen, die mit Syphilis Infizierten, sind auch HIV-positiv.
Bibliographie:
1)Dr. Lancereaux, “Traité historique et pratique de la Syphilis”, 1873 .
2)Sleim Ammar, “Médecins et Médecines de l´Islam”, 1984
3)Jean Astruc S. 346, “Traité des maladies vénériennes”, Trad. de Louis
4) Fracastor “De morbis contagiosis” Venetia, 1546
Zur Hilfe kamen noch einige Bücher. Die Liste ist noch unvollständig:
Daremberg, “Annales des maladies de la peau et de la Syphilis”, L. IV., 1851-1842
Fournier, “lecons sur la Syphilis”, 1873
Guillaume de Salicet, “Chirurgica”, 1270
Herold, “Innere medizin”, 2001, 2004
Laborde, “ Die hereditären chronischen Krankheiten”, 1998
Siegenthaler, “Lehrbuch der inneren Medizin”.
Vielen Dank an die “Bibliothèque Nationale Française, die mir ermöglichte antiquarische Bücher zu konsultieren.
L. Gromier-Heim, Mühlhausen, 2002-2012, copyright.
