Homöopathie



Auswahl einige Aspekten der Homöopathie ein philosophischer Beitrag:

Inhaltsverzeichnis:

Anleitung, Similia similibus, Arzneimittelprüfungen, Lebenskraft, Fallaufnahme, homöopathische Hausapotheke, Zubereitungen, Dr. Kent, Dr. Burnett, Dr. Schmidt.

Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843) führte einen Eigenversuch durch, welcher ihm aufzeigte, dass er jedesmal bei Einnahme des Chinarindenpulvers die Symptome des Wechselfiebers bekam. Die Anfälle dauerten jeweils 2-3 Stunden. Hiervon leitete er die folgende Theorie ab: Eine Arznei, die einen gesunden Menschen krank macht, kann kranke Menschen heilen. “Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt”. Der Versuch mit der Chinarinde folgten unzählige andere Versuche mit ca. 300 Substanzen aus dem Mineralien- Pflanzen- Metallen- und Tierbereich. Zur homöopathischen Theorie schrieb Hahnemann das “Organon” und veränderte es noch 5 Mal. Die letzte Ausgabe wurde erst 1922 in der 6. Auflage veröffentlicht.
Die Aufgabe des Therapeuten besteht darin, für jeden Patienten das dem jeweiligen Krankheitszustand entsprechende individuelle Heilmittel zu finden. Er nimmt dafür alle krankhaften Veränderungen (körperliche, psychische) im Befinden des Patienten auf und bestimmt hieraus das Heilmittel. Es wird meist eine Arznei verordnet. Die Erstanamnese dauert im Durchschnitt 1-2 Stunden. Das Mittel wirkt teilweise erst nach einiger Zeit. Die Homöopathie ist ein Heilsystem mit vielen Möglichkeiten. Im “Organon der Heilkunst” hat Samuel Hahnemann (1755-1843) die Methodik der von ihm begründeten Homöopathie niederschrieben.
“Bei homöopathischen Heilungen zeigt uns die Erfahrung, dass auf die ungemein kleinen Arzneigaben, die bei dieser Heilart nötig sind, welche nur so eben hinreichend waren, durch Ähnlichkeit ihrer Symptome die ähnliche natürliche Krankheit zu überstimmen und aus dem Gefühle des Lebensprinzips zu verdrängen...”§68.
Obwohl die Homöopathie auf komplexem Wissen und Erfahrungswerten beruht, fühlten sich schon zu Hahnemanns Zeiten viele Laienheiler zum Homöopathen berufen.
Das verärgerte den Begründer der Homöopathie ziemlich: Er forderte von den selbst berufenen Laienärzten, unbedingt die Finger davon zu lassen, oder diese Kunst eben ernsthaft und vollständig zu studieren. Nicht approbierte Interessenten führte Hahnemann höchstens in Ausnahmefällen in seine Heilkünste ein.
Selbstversuche mit homöopathischen Mitteln machen klar: Der Glaube, dass man mit diesen Mitteln nichts falsch machen kann, ist ein fataler Irrtum. Schließlich basieren die Arzneimittelprüfungen auf der Tatsache, dass die Substanzen bei Gesunden spezifische Krankheitssymptome hervorgerufen haben. Daher wies Hahnemann seine Patienten, die sich nach der Lektüre seines "Organons" in Selbstheilungskünsten übten, harsch zurecht. Von Selbsthilfe im Krankheitsfall hielt er ganz und gar nichts. Der "ächte Heilkünstler" kuriert nicht nach Hörensagen, Pendeln... Er verwendet nur Arzneimitteln, deren krankhafte Einwirkung auf den gesunden Menschen vorher sorgfältig ausgeprüft worden ist.
Keine Verordnung nach bloßer Vermutung einer möglichen Heilsamkeit bei einer Krankheit oder auf Hörensagen!
Trotz lobenswerter Erleichterungsbücher sind das Studium der Quellen, vielseitige Umsicht und ernste Erwägung erforderlich.

Strenge Individualisierung jedes Krankheitsfalls ist die Vorraussetzung für eine Homöotherapie.
Betrachtung des jeweils aktuellen Zustandes, der gegenwärtigen Gestalt des Übels" (Hahnemann, Organon der Heilkunst).
Was heute Gang und gäbe ist, nämlich dass Laien Belladonna, Arnika und Aconitum in hohen Potenzen (größer als C15) im Haus haben und nach schnellen homöopathischen Kurse bei Fieber und Verstauchungen verabreichen, hätte Hahnemann also ziemlich in Rage gebracht. Bei allen Kollegen, die die Mittel nur vom Hörensagen, statt durch eigene Erfahrung kannten, appellierte er ans Gewissen und warnte davor, sich auf diverse Lieblingsmittel zu versteifen, statt ständig kritisch die Medikation zu hinterfragen und mit den individuellen Beschwerdebildern abzugleichen.

Similia similibus
Das Prinzip “ similia similibus” entspricht “ eine Kunstkrankheit heilt eine natürliche, “ ähnliches soll durch Ähnliches” im Krankheitsfall geheilt werden: Leidet einen Patient an starken Abdominalkoliken wird er einen Mittel bekommen, der an gesunden Menschen geprüft, ein identisches Kolikbild hervorruft.

Arzneimittelprüfungen
Durch sogenannten “Arzneimittelprüfungen” wurden homöopathische Arznei an Gesunden überprüft. Damals rekrutierte Hahnemann seine Familienmitglieder, seine Studenten, Bekannten und nicht zuletzt sich selbst um diese Arznei zu überprüfen. Die Arznei kommen aus dem Pflanzenreich, Mineralreich, Metallreich oder Tierreich. Die Überprüfung wird noch Heute von homöopathische Schulen in u.a. Amerika, Frankreich, Indien und Deutschland durchgeführt. Der gesunde Proband schreibt stündlich, tagelang (je nach Kraft der Arznei) einen Protokoll über die Symptomen, die er entwickelt.
Zum Beispiel: Spiranthes autumnalis, Damenzopf oder Herbstdrehwurz. Ausschnitt aus Protokollen:
“...Die Probanden klagten über Schwindel als Band um den Kopf, Gewicht auf der Stirn. Das Sehen trübte sich bis hin zur sofortiger Verlust. Die Nase brannte, juckte mit einem empfindlichen Geruchssinn. Die Probanden zeigten Apettiverlust, ständiger Durst und Verlangen nach sauerer Nahrung, Herzklopfen und Atembeschwerden......”.
Soll der Patient, wenn er einem homöopathisch arbeitender Heilpraktiker besucht, solche Symptome ausweisen, könnte Spiranthes in Frage kommen. Allerdings, bekommt der Patient die Arznei in einer hochverdünnte Form und es gehört noch eine gründlichere Überprüfung seitens des Heilpraktikers oder Arzt bevor er das Arzneimittel verschreibt.
Die Form, die Verdünnung der Arznei und das sog. Potenzieren wir in der Homepage der Firma Boiron http://www.Boiron.com über einen Videofilm sehr verständlich gezeigt.
siehe auf meiner Webseite auch unter der Rubrik "FAQ".
Die Arznei kann als Globuli (Verreibung mit Lactose), Lösung, Urtinktur oder Tabletten verordnet werden. Die Verdünnung erfolgt als: Dezimal 1:10, Centesimal 1:100 der Quinquagintamillesimal 1:50000 (LM oder Q genannt). Homöopathische Arzneirohstoffe sind u.a.: Pflanzen, Pilze, Tiere organische Verbindungen (organische Säuren), anorganische Säuren, Metalle, Nosoden, Mikroorganismen.

Die Lebenskraft
Jedes Heilverfahren betrachtet Krankheit unter bestimmten Prämissen.
“Der Arzt, der sich vielmehr für die körperlich organische Beschwerden interessiert, neigt dazu, psychologische Faktoren und ihrer subtile Rolle bei der Entstehung von Krankheiten zu übersehen. Den Psychologen fehlt es auf der anderen Seite an adäquaten, spezifischen Gelehrtheit, um biologische Faktoren mit der Psychodynamik zu verbinden. Die Homöopathie überwindet die Spaltung des cartesianischen Denkens. Sie stellt ein System von Regeln dar und verfährt nach der Annahme, dass das, was man “Krankheitsprozeß” nennt, ein Versuch ist die Gesundheit wieder herzustellen. Das Streben nach Heilung und Ausgewogenheit der Körperfunktionen wird als Lebenskraft bezeichnet.” E. Whitmont und C. Counter.
Die Symptome sind sichtbare Äusserungen der Lebenskraft des Organismus und dies ganz gleich wie unangenehmen sie sein können. Sie sind die besten Wegweiser für die Behandlung. Homöopathische Arzneimittel versetzen den Homöopath in die Lage, diese Selbstheilungskräfte systematisch zu unterstützen. Wichtig ist die Lebenskraft und ihrer Entwicklung beim Patient besonders sorgfältig und präzis zuzuordnen. Davon hängt auch die wichtige zweite Verschreibung:
Dazu S. Hahnemann: (§63 des Organons, 6. Auflage):
“Jede auf das Leben einwirkende Potenz, jede Arznei stimmt die Lebenskraft mehr oder weniger um, und erregt eine gewisse Befindensveränderung im Menschen auf längere oder kürzere Zeit. Man benennt sie mit dem Namen Erstwirkung. Sie gehört...doch mehr ein Produkt aus Arznei und Lebenskraft, doch mehr der einwirkenden Potenz an. Dieser Einwirkung bestrebt sich unsere Lebenskraft ihre Energie entgegen zu setzen...”

Die Fallaufnahme
Hahnemann hat genaue Anweisungen für die homöopathische Fallaufnahme gegeben, die vom Therapeut befolgt werden sollten. Die Fallaufnahme hat unter allen Umständen schriftlich zu erfolgen. Ohne schriftliche Aufzeichnung kann man weder ein Simile finden noch beurteilen, ob das Mittel korrekt gewirkt hat oder wie der Fall weiterverfolgt werden kann. Kent selbst verwendete oft mehrere Tage an die Fallaufnahme und bestellte den Patienten wieder und wieder in die Praxis. Die Fallaufnahme ist zu unterscheiden zwischen akuter und chronischer Krankheit.
Es entwickelte sich mehrere homöopathische Richtungen im Laufe der Jahren, vereinfacht existieren folgende Richtungen:

Homöopathische Hausapotheke ja oder nein? Oder das Dilemma mit der homöopathische Hausapotheke
Wir werden immer wieder von unseren Patienten gefragt, ob wir ihnen eine homöopathische Hausapotheke empfehlen können. Unsere Antwort lautet häufig ja und nein zugleich.
Der Wunsch des Patienten ist klar: „Was tue ich, wenn der „Homöopath“ nicht da ist und ich bekomme einen akuten Infekt?“ Da die Praxen nicht rund um die Uhr geöffnet sein können, ist diese Frage legitim.
Hieraus ergibt sich jedoch eine Reihe von Problematiken.
Was ist die Grundlage einer homöopathischen Verschreibung?
Der Homöopath muss u.a. alle Krankheitszeichen des Körpers, des Geistes sowie der Gemütslage berücksichtigen.
Die Symptome untereinander vergleichen und sie Gewichten können.
Beurteilen können, ob die Verschreibung in den Rahmen einer chronischen Behandlung passt oder nicht.
Beurteilen können, ob es sich um eine Bagatellerkrankung handelt oder nicht.
Einschätzen können, wie stark die Reaktionskräfte des Patienten sind.
Die physiologische Wirkung der Arzneien genau kennen.
Die Heilungsversuche nach miasmatischen Regeln beurteilen.
Besonders schwierig wird die Situation, wenn während einer chronischen, homöopathischen Behandlung ohne Wissen des Therapeuten andere Medikamente eingenommen werden.
Was könnten die Folge einer fehlerhaften Selbstmedikation sein:
Es zeigt sich keinerlei Reaktion.. Der Patient neigt dazu, anzunehmen, die Homöopathie wirke nicht.
Es zeigt sich eine Reaktion, die äusseren Beschwerden bessern sich jedoch nicht die emotionale Ebene. Die Heilung ist fehlgeschlagen.
Die Lokalsymptome verschwinden, jedoch tritt später eine schwerere Erkrankung auf. Die Krankheit wurde unterdrückt und nach Innen verlagert.
Die Erkrankung war ernster als angenommen und die fachliche Hilfe wurde zu spät in Anspruch genommen. Dies ist als äusserst kritisch einzustufen.
Weitere Problematik ergibt sich aus potentiell falschem Umgang mit Arzneimitteln, falscher Dosierung und falschen Annahmen (die Homöopathie ist ja harmlos).
Alles in Allem spricht dies gegen eine homöopathische Standardapotheke.
Daher plädiere ich für eine individuelle, auf den konkreten Patienten abgestimmte Hausapotheke. Der Patient bekommt vom Homöopathen Hinweise dafür, was er tun sollte, bis der Therapeut/in hinzugezogen werden kann. Eine auf die Bedürfnisse des Patienten abgestimmte, homöopathische Hausapotheke kann in solchen Fällen mit Sicherheit wirkungsvoll und daher von grossem Wert sein.
Zubereitungen siehe auch unter FAQ.
Tropfen: alkoholhaltigen Tropfen.
Tabletten und Pulver basierend auf Milchzucker (Lactose)
Globuli: Es sind kleine Kügelchen, die mit dem homöopathischen Mittel benetzt sind.
Spritzen: Zubereitungen als Einzelmittel oder Komplexmittel, die unter der Haut gespritzt werden.

Dr. James Tyler Kent, (1849-1916)
Dr. James Tyler Kent: Bei der Patientenaufnahme zählte für ihm hauptsächlich die Gemütssymptome. Er beobachtete sorgfältig und empfindsam die Menschen, die zu ihm kamen. Sein Satz: “Es gibt keine Krankheiten, es gibt nur kranke Menschen”. Er entwickelte das weltweit bekannte Repertorium, in dem er versuchte alle Symptome vom Gemüt und organisch vom Kopf bis zum Fuß von Patienten niederzuschreiben. Ein kleiner Hinweis, dass von vielen Therapeuten übersehen wird: J. Kent schrieb die Theorie der Homöopathie auf der Basis der fünften Auflage des Organons! Das heisst, dass Kent noch nichts wusste über die Theorie der Q-Potenzen und über die Änderungen Hahnemann an der fünften Auflage...!

Die Miasmatheorie (Miasma=Befleckung) oder die chronische Krankheiten
siehe auch unter Miasmen-Theorie

Hahnemann machte mit hunderten von Patienten eine detaillierte Fallaufnahme, erfragte Krankheiten in ihrer Vorgeschichte, die Krankheit der Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern soweit zurück als irgend möglich. Dabei fand er heraus, dass eine tiefere, krankmachende Schwäche im Menschen gibt, die ihn für bestimmte Krankheiten anfällig macht. Diese Anfälligkeit nannte er Miasma. Die heutige Krankheit des Patienten bestimmt Rückschlüsse auf frühere Beschwerden. Die Verbindung zwischen Krankheiten des Patienten und denjenigen seiner Familie existiert, der rote Faden erlaubt den Therapeut die Arzneimittelwahl. Siehe mein Essay dazu unter der Rubrik "Miasmen".
James C. Burnett erkannte den Wert diese chronische Krankheiten und verzeichnete grosse Erfolge, weil er die Krankheiten der Vorfahren und vor allem der pathologischen Prozess mit dem pathologischen Simillimum als vordergründige betrachtete. Die Grundsätze der Behandlung waren: Der Sitz der Wirkung, die Art der Wirkung, der Bereich der Wirkung und vor allem der Haltepunkt der Wirkung:
Der Sitz der Wirkung ist nach Burnett, z. Bsp...: betroffener Organ
Die Art der Wirkung: Die Symptome der Krankheit sind die Symptome des Arzneimittels ähnlich.
Der Bereich der Wirkung : Der Bereich der Wirkung deckt vom Anfang an bis zum Ende die Affektion.
Der Haltepunkt der Wirkung: der Wirkungsbereich eines Mittels soll der Bereich sein, der die gesamte Krankheit abdecket und nicht nur ein Teilbereich: bzw. der Krankheitsprozeß entsprechen und vor allem nicht nur die Symptome abdecken.
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